Wie man mit neurodivergentem Kopf durch Cannes navigiert

Cannes und der Ressourcenverbrauch

Cannes bedeutet von außen betrachtet ja vor allem: Roter Teppich, Fotograf*innnen auf Leitern, Termine, Empfänge und Gespräche, die schon wieder enden, bevor man richtig ankommt. Insgesamt war ich drei mal dort: Zweimal als Filmstipendiatin und beim letzten Mal, weil einer meiner produzierten Kurzfilme alsNext Generation Short Tiger ausgezeichnet wurde. Gut, sich dann schon ein bisschen auszukennen, wenn die Synapsen mal wieder nicht mit der Eindrucksverarbeitung hinterherkommen.


Eine große Chance definitiv, jedenfalls wenn man die richtigen Ressourcen dafür hat.

Die Filmfestspiele sind nervlich und finanziell nämlich ein extrem heißes Pflaster. Auch für große Geldbeutel. Zu denen meiner nicht gehört.

Wenn man dann zusätzlich neurodivergent ist, gibt es noch ganz andere Klippen zu umschiffen. Alles ist scheinbar gleichzeitig wichtig, dringend und groß. Zu viel Reize. Zu viel Input. Zu wenig Ruhe dazwischen. Irgendwann sind die Energieressourcen verbraucht und man ist nicht mehr im Modus „Erleben“, sondern im Modus „Aushalten“. Manchmal reicht eine kleine Veränderung, damit aus Reizüberflutung wieder Orientierung wird. Einerseits gibt es die offentsichtlichen Dinge, die dabei helfen, besser durch dieses unbekannte Gewässer zu navigieren.


Was man in Cannes tun kann, um seine Ressourcen zu schonen:

Snacks aus dem Supermarkt um die Ecke holen, statt ins Restaurant zu gehen

  • Eine Wohnung mit mehreren Leuten teilen, statt ein Hotelzimmer zu mieten
  • In die Ausstellung des italienischen Pavillons im Grand Hotel gehen und sich eine Runde am Pool entspannen (mit einem gratis Espresso)
  • Eine leere Plastikflasche mitnehmen und immer wieder auffüllen
  • In eines der kleineren Programm-Kinos gehen, statt ins große Palais
  • Sich auf Eröffnungs-Partys oder Empfänge schmuggeln statt auszugehen
  • An den öffentlichen Strand gehen und im Mittelmeer schwimmen

Wie mentale Tools in neuer Umgebung helfen

Für die Entspannung meines Nervensystems habe ich andere Methoden. Ich nenne sie mentale Tools. Visualisierte Imaginationen oder geistige Bilder mit Werkzeug-Funktion. Mal helfen sie mir dabei, mich aus einem Tief rauszuholen oder mir den Spiegel vorzuhalten. Manchmal holen sie mich auf den Boden der Tatsachen zurück oder geben mir das Gefühl, innerlich besonders geschützt zu sein.

Dieses Tool hilft dabei, eine neue Welt zu betreten. Alles startet mit einer Tür. Sie ist Ein- und Ausgang zugleich und stellt einen bewussten Übergangsmoment her.

  • Entscheiden, wann man durchgeht oder ob man durchgehen will
  • Eine Chance sehen
  • Sich auf eine neue Welt einstellen
  • Etwas hinter sich lassen

Ohne die Tools sinkt mein Energielevel ziemlich schnell. Dafür sind sie aber jederzeit verfügbar und ermöglichen sowas wie das Navigieren durch Cannes.

Mit unseren Gedanken fangen wir an, den Raum zu gestalten, den wir wirklich brauchen.

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