Ich kann nicht gut sprechen — und tue es trotzdem (1)

So wie hier auf der re:publica letztes Jahr. Hier kommt mein recap aus ganz persönlicher Sicht. Es sieht immer leicht aus, dort vorne zu stehen und was zu sagen. Aber was man nicht sieht: Ich bereite Gespräche oft vor wie andere eine Choreografie.

Wenn Wahrnehmung vielfältig ist

Ich bin neurodivergent und denke auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Neue Gedanken schießen häufig schon mitten in den Satz, bevor ich ihn überhaupt zu Ende gesprochen habe. So stark, dass ich manchmal selbst nicht mehr weiß, worauf ich eigentlich hinauswollte. Deshalb versuche ich, professionellen Situationen eine Struktur zu geben. Lange dachte ich, das wäre einfach eine persönliche Schwierigkeit oder meine Schuld. Inzwischen weiß ich aber, dass viele Menschen mit komplexen oder nichtlinearen Denkweisen ähnliche Übersetzungsarbeit leisten. Oft unsichtbar für andere.

Ich frage mich:

Wie kann unterschiedliche Wahrnehmung auf eine gemeinsame Ebene gebracht werden?

Wie entsteht Orientierung in komplexen Prozessen?

Wie werden Gedanken nonverbal kommunizierbar?

Wie funktioniert Kommunikation auf mehreren Ebenen?

Die Welt hinter dem Spiegel

Für die Entspannung meines Nervensystems habe ich deshalb eigene Methoden. Ich nenne sie mentale Tools. Visualisierte Imaginationen oder geistige Bilder mit Werkzeug-Funktion. Mal helfen sie mir dabei, mich aus einem Tief rauszuholen oder mir den Spiegel vorzuhalten. Manchmal holen sie mich auf den Boden der Tatsachen zurück oder geben mir das Gefühl, innerlich besonders geschützt zu sein.

So sieht es in meinem Kopf aus, wenn ich mir Gedanken über ein nächstes Projekt oder die richtigen Worte mache. Jede Linie steht für den Weg zu einer Entscheidung hin. Auf diesem Kartenausschnitt sieht man das Stellwerk und die unterschiedlichen Verbindungen, die hier zusammenlaufen. Jeder Zugang birgt unterschiedliche Wege und Ausgangspunkte. Die richtigen Verknüpfungen zum Ziel hin, lassen dann Möglichkeiten entstehen, die vorher undenkbar waren.

Was das für die Geschichte mit der re:publica bedeutet

Ein bisschen so wie mit der re:publica. Denn die Frage, die vorher im Raum stand war nicht (nur): „Wie komme ich dorthin?“. Sondern: Welches Thema ist relevant genug, um dort stattzufinden?“ Insgesamt hatte ich vier Themen eingereicht, drei davon mit anderen Speaker*innen. Was am Ende überzeugt hat, beinhatet schon der Titel: „Authentisch, hyperlokal, viral – Warum große Medien auf Kiezblogs wie den Weddingweiser schauen“.

Was einen Weg also ausmacht, um am besten ans Ziel zu kommen:

  • Relevanz
  • Nähe
  • Reichweite

Je besser man sie miteinander kombiniert, desto spannender ist das Ergebnis.

Kleiner Fun Fact am Rande: Die re:publica ist übrigens in der „Station Berlin“ am Gleisdreieck verortet. Auf dem Außengelände steht noch ein großer Teil des alten Rangierbahnhofs, der zum benachbarten Technikmuseum gehört. Er befindet sich genau auf der Rückseite des trubeligen Messebereichs und ist optimal zum Durchatmen. Neben einem Wasserturm sind auch noch der Rundlokschuppen, eine Schmiede und viele weitere Artefakte erhalten.

Die Zeichnung enthält ziemlich ähnliche Gebäude und Landschaften. In meiner Welt werden sie zu Werkzeugen, Möglichkeiten und Strategien, um ans Ziel zu kommen. Davon gibt es eine ganze Menge und über die spreche ich ab jetzt.

Weiterführende Links:

https://re-publica.com/de

https://www.station-berlin.de/de/home.html

https://weddingweiser.de

https://technikmuseum.berlin

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